389 Ausbildungsplätze unbesetzt – 411 junge Arbeitslose ohne Berufsabschlus
Die Zahlen zum Arbeits- und Ausbildungsmarkt im Landkreis Limburg-Weilburg zeigen ein deutliches Problem: Auf der einen Seite suchen junge Menschen einen Ausbildungsplatz, auf der anderen Seite können Unternehmen ihre Ausbildungsstellen nicht besetzen. Das geht aus der Antwort von Arbeitsministerin Heike Hofmann (SPD) auf eine Kleine Anfrage der heimischen FDP-Landtagsabgeordneten Marion Schardt-Sauer hervor.
Zum 30. Juni 2026 waren im Landkreis 5.031 Menschen arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenquote lag bei 5,3 Prozent. Besonders aufmerksam stimmt Schardt-Sauer die Situation bei den jungen Menschen: 577 Arbeitslose waren jünger als 25 Jahre, 411 von ihnen hatten keinen anerkannten Berufsabschluss.
Gleichzeitig wurden im Berichtsjahr 2025/2026 bis Juni 1.005 Ausbildungsstellen gemeldet. Nach den aktuell vorliegenden Zahlen waren davon zum 13. Juli noch 389 Ausbildungsplätze unbesetzt. Dem standen 1.305 Bewerberinnen und Bewerber gegenüber.
„Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Wir haben im Landkreis gleichzeitig junge Menschen, die keinen Ausbildungsplatz finden, und Unternehmen, die ihre Ausbildungsplätze nicht besetzen können. Das darf uns nicht kaltlassen“, erklärt Schardt-Sauer.
Die Landesregierung selbst spricht in ihrer Antwort von einem Passungsproblem. Angebot und Nachfrage würden regional, berufsfachlich und auch hinsichtlich der Anforderungen nicht immer zusammenpassen. Jugendliche suchten teilweise andere Berufe oder Regionen, während Unternehmen Schwierigkeiten hätten, geeignete Bewerberinnen und Bewerber zu finden.
Besonders viele Ausbildungsstellen blieben bei Kaufleuten im Einzelhandel (31), Verkäuferinnen und Verkäufern (29) sowie Straßenbauerinnen und Straßenbauern (23) unbesetzt.
„Wenn 411 arbeitslose junge Menschen keinen Berufsabschluss haben und gleichzeitig fast 400 Ausbildungsplätze unbesetzt sind, dann müssen wir genauer hinschauen. Hier geht es nicht nur um Zahlen in einer Statistik. Es geht um die Zukunft junger Menschen und gleichzeitig um die Fachkräfte, die unsere Betriebe dringend brauchen“, so die liberale Landtagsabgeordnete.
Nach Angaben von Arbeitsministerin Heike Hofmann werden im Landkreis Limburg-Weilburg derzeit 15 Maßnahmen aus dem Ausbildungs- und Qualifizierungsbudget des Landes Hessen unterstützt. Hinzu kommt eine Maßnahme aus dem ESF+-Programm „Qualifizierung und Beschäftigung junger Menschen“.
Für Schardt-Sauer ist entscheidend, dass die vorhandenen Angebote auch tatsächlich Wirkung entfalten: „Es gibt Unterstützung – aber die Zahlen zeigen, dass wir damit noch nicht am Ziel sind. Jugendliche und Betriebe müssen besser zusammengebracht werden. Gerade beim Übergang von der Schule in Ausbildung brauchen junge Menschen Orientierung und konkrete Unterstützung.“
Die FDP-Landtagsabgeordnete fordert deshalb, die Berufsorientierung weiter zu stärken und die Vermittlung zwischen Jugendlichen und Ausbildungsbetrieben zu verbessern.
„Ein unbesetzter Ausbildungsplatz und ein junger Mensch ohne Perspektive dürfen nicht dauerhaft zwei getrennte Geschichten sein. Wir müssen beides zusammenbringen. Denn jeder junge Mensch, der erfolgreich eine Ausbildung beginnt, ist eine Chance – für ihn selbst, für den Betrieb und für die Fachkräftesicherung in unserer Region“, so Schardt-Sauer abschließend.