Fürstengrab bei Bad Camberg: „Warum nicht zumindest eine temporäre Ausstellung in der Region?“
Marion Schardt-Sauer: Gremmels muss mehr aus dem außergewöhnlichen Fund machen – Chance für Bildung und Bürger
Der Fund eines eisenzeitlichen Fürstengrabes bei Bad Camberg ist von herausragender Bedeutung. Das hat die schwarz-rote Hessische Landesregierung in der Antwort auf eine Kleine Anfrage der heimischen FDP-Landtagsabgeordneten Marion Schardt-Sauer noch einmal bestätigt. Das von Wissenschaftsminister Timon Gremmels (SPD) geführte Ministerium hatte den Fund bereits im Juni gemeinsam mit der hessenARCHÄOLOGIE öffentlich vorgestellt.
„Minister Gremmels hat den außergewöhnlichen Fund zu Recht als bedeutendes Stück hessischer Geschichte präsentiert. Umso enttäuschender ist es, dass auf meine Frage nach einer öffentlichen Präsentation in der Herkunftsregion nun praktisch nur Schulterzucken folgt“, erklärt Schardt-Sauer.
Denn konkrete Planungen für eine öffentliche Präsentation der Funde gibt es nach Angaben der Landesregierung bislang nicht. Auch Standorte für eine dauerhafte oder zeitweise Ausstellung werden derzeit nicht geprüft. Vorrang haben zunächst Sicherung, Restaurierung und wissenschaftliche Auswertung der Funde.
„Natürlich müssen die Funde zunächst fachgerecht gesichert und wissenschaftlich untersucht werden. Aber das ist doch kein Grund, sich nicht schon jetzt Gedanken über eine spätere Präsentation zu machen. Wir reden schließlich nicht über irgendeinen Fund, sondern über ein außergewöhnliches Zeugnis unserer regionalen Geschichte in und um Bad Camberg“, so Schardt-Sauer.
Die FDP-Landtagsabgeordnete aus Limburg bringt eine zumindest temporäre Präsentation in der Kurstadt oder andernorts im Landkreis Limburg-Weilburg ins Spiel.
„Warum sollte man die Funde nach Abschluss der notwendigen Restaurierungsarbeiten und wissenschaftlichen Sicherung nicht für einige Wochen oder Monate hier in der Region zeigen? Das wäre eine tolle Sache für die Menschen vor Ort und könnte auf großes Interesse stoßen“, sagt Schardt-Sauer.
Eine solche Ausstellung könne aus ihrer Sicht unterschiedliche Zielgruppen erreichen: Schulen und andere Bildungseinrichtungen könnten den Fund für die Vermittlung von Geschichte nutzen, Bürgerinnen und Bürger könnten sich mit der Vergangenheit ihrer Heimat beschäftigen. Gleichzeitig könne eine solche Präsentation zudem Besucherinnen und Besucher in die Region ziehen.
„Der Fund wurde hier entdeckt. Dann sollte er zumindest zeitweise auch hier zu sehen sein. Kinder und Jugendliche, Familien, Geschichtsinteressierte und Gäste aus der Region und darüber hinaus könnten diesen Teil unserer Geschichte unmittelbar erleben. Das wäre kulturell eine echte Chance“, so Schardt-Sauer.
Die Landesregierung verweist in ihrer Antwort auf die Keltenwelt am Glauberg in Glauburg (Wetterau) als bereits bestehendes, auf die Keltenzeit spezialisiertes Museum. Das überzeugt Schardt-Sauer nicht vollständig: „Die Keltenwelt am Glauberg ist eine hervorragende Einrichtung. Aber das Argument kann doch nicht sein: Weil es dort bereits ein Museum gibt, muss der Fund aus Bad Camberg dort für immer bleiben. Gerade der Fundort und seine Geschichte machen eine zeitweise Präsentation hier vor Ort interessant.“
Nach Angaben der Landesregierung wurden der Landrat des Landkreises Limburg-Weilburg und der Bürgermeister der Stadt Bad Camberg über den Fund informiert. Konkrete Gespräche über eine Präsentation in der Region habe es aber bislang jedoch nicht gegeben.
„Hier hätte ich von Minister Gremmels mehr Initiative erwartet. Wenn das Land selbst von einem Fund von herausragender Bedeutung spricht, sollte es auch bereit sein, gemeinsam mit Stadt und Landkreis zu überlegen, wie dieser Schatz den Menschen in unserer Region zugänglich gemacht werden kann“, erklärt Schardt-Sauer.
„Wir müssen heute noch keine fertige Ausstellung planen. Aber wir sollten jetzt die Weichen stellen und prüfen, was möglich ist. Ein solcher Fund gehört nicht nur in die Restaurierungswerkstatt, später in die Fachliteratur und dann ins Museum fernab des Fundortes. Er sollte zumindest für eine gewisse Zeit auch dorthin zurückkehren, wo er entdeckt wurde – zu den Menschen in unserer Region“, so Schardt-Sauer abschließend.